Geschwindigkeiten bis 60 km/h und Anhängerbremssysteme

12.12.2017
Die EU-Verordnung erlaubt zukünftig Maximalgeschwindigkeiten von bis zu 60 km/h für Traktoren und bedingt Druckluftbremssysteme für schwere Anhänger und gezogene Anbaugeräte.
Die EU-Verordnung 167/2013 über die Zulassung von landwirtschaftlichen Fahrzeugen wird ab 2018 alle nationalen Zulassungsrichtlinien innerhalb der EU, Norwegen Schweiz und Island ablösen. Die größten Änderungen sind die Steigerung der maximalen Geschwindigkeit von Traktoren auf bis zu 60 km/h unter gewissen Voraussetzungen und die Neuregelung für Anhängerbremssysteme.
Traktoren, die ab dem 1. Januar 2018 in Europa zuge­lassen werden, haben erweiterte Anforderungen und Möglichkeiten als die, die noch dieses Jahr zugelassen werden dürfen. Zum Beispiel werden alle Valtra Traktoren zukünftig mit einem Luftbremssystem für Anbaugeräte ausgestattet werden und gewisse Modelle der N- und T-Serie können optional mit der Geschwindigkeitsklasse 60 km/h ausgerüstet werden.

„Das stellt die größte Änderung seit dem Wechsel von den nationalen Zulassungsregelungen zur EU-Zulassungsregelung dar. Die neue Verordnung wird die meisten nationalen Regelungen ablösen. So erlaubte die alte Verordnung lediglich Geschwindigkeiten bis zu 40 km/h, höhere Geschwindigkeiten waren nationale Ausnahmeregelungen. Ab 2018 gibt es in Europa die zwei Geschwindigkeitsklassen 40 und 60 km/h“, erklärt Karri Häyrinen, Ingenieur für technische Zulassung bei Valtra.

Einige nationale Regelungen werden bestehen bleiben. Das gilt z.B. für Verkehrsgesetze und Führerschein-Regelungen, die aber auch den Einsatz des Traktors beeinflussen. Dazu können die jeweiligen Versicherungsunternehmen weiterhin ihre eigenen Regularien aufstellen. Auch Hersteller und Importeure können Erweiterungen und Zusätze beantragen, diese werden aber nicht automatisch akzeptiert. Für Hersteller von Anhängern und gezogenen Anbaugeräten gibt es eine Übergangsfrist für die Umstellung auf Zweileiter-Bremssysteme. Weiterhin gibt es einige Länder, in denen Anhänger und gezogene Anbaugeräte keine Zulassung benötigen.

„Die EU-Verordnung hat das Ziel, die Sicherheit und Effizienz zu verbessern. Die Verordnung besitzt zahlreiche Unterabschnitte für Bremsen, Warnaufkleber, Gewichte, Abkantmaße, Spiegel und weiteren sicherheitsrelevanten Bereiche. Die höheren Geschwindigkeiten werden dafür die Produktivität auf den immer größer werdenden Betrieben in Europa steigern, da die zu überbrückenden Strecken zwischen Feldern immer länger werden. Nicht zuletzt werden durch die Verordnung die Regelungen zwischen den Ländern und auch zwischen unterschiedlichen Fahrzeugkategorien vereinheitlicht“, sagt Matti Serenius, Produktmanager bei VTT Expert Service Oy.

Aufkleber, Handgriffe und abgerundete Ecken

Als Ergebnis der EU-Verordnung wird es bei neuen Traktoren viele kleine Veränderungen geben, die dem Besitzer eventuell erst mal gar nicht auffallen. So wird sich z.B. die Form der Typgenehmigungs-Plakette ändern, der Zugang zu einigen Traktoren wird auf Grund zusätzlicher Griffe einfacher, Notausstiege werden durch Warn-Aufkleber klar gekennzeichnet, ein kleiner Weitwinkelspiegel wird zusätzlich unten an den Außenspiegeln angebracht und scharfe Kanten am Traktor werden abgerundet sein, sowohl innerhalb der Kabine als auch außen am Traktor.

„Die Valtra A-Serie und die N- und T-Serien mit SmartTouch erfüllen direkt die neue EU-Verordnung. Die anderen Modelle werden über den Herbst an die neuen Anforderungen angepasst“, bestätigt Häyrinen.

Alle neuen Valtra-Traktoren, die nach dem 1. Januar 2018 in Europa ausgeliefert werden, sind mit einem Druckluftbremssystem ausgestattet. Die neue Verordnung bedingt auch, dass alle Traktoren und schweren Anhänger mit einem Zweileiterbremssystem ausgerüstet sind. Anhänger mit Druckluftbremssystem sind in Deutschland und Osteuropa bereits weit verbreitet, weniger aber in Frankreich oder Spanien. In Großbritannien und den skandinavischen Ländern waren bisher nur die schwersten Anhänger und Anbaugeräte mit Bremssystemen ausgestattet.

Die Bedingungen für die neue Geschwindigkeitsklasse 60 km/h setzen gewisse Funktionalitäten voraus, wie z.B. eine ausreichende Bremswirkung. Diese Bedingungen sind für Traktoren bis 40 km/h entsprechend weniger intensiv. Hersteller können auch Modelle mit mehreren Geschwindigkeitsbereichen in die Typgenehmigung bringen. In der Praxis werden die maximalen Geschwindigkeiten der N- und T-Serie entweder 40, 50 oder 60 km/h sein. Darüber hinaus können die nationalen Verkehrsgesetzte oder Führerscheinregeln die Maximalgeschwindigkeit der Traktoren entsprechend begrenzen, auch wenn diese für 60 km/h zugelassen sind.


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